Melina Schuh (Deutschland)
| Hallo, mein Name ist Melina. Ich schreibe meine Doktorarbeit am EMBL in Heidelberg. |
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Mein Tag beginnt ganz gewöhnlich: Ich stehe auf, frühstücke, und dann fahre ich los zur Arbeit. Aber dann kommt was besonderes: die Fahrt zur Arbeit führt raus aus meinem Wohnort Heidelberg, sogar raus aus Deutschland, und endet auf einem kleinen Fleckchen Europa - und das in gerade einmal 15 Minuten. Wie das geht? Ich bin Doktorandin am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie, kurz EMBL. Hier arbeiten über 1400 Menschen aus 60 verschiedenen Ländern. Um dabei nicht im babylonischen Wirrwarr der Sprachen unterzugehen, sprechen wir EMBLisch. Das ist so etwas wie englisch mit europäischem Slang, denn viele Muttersprachler gibt es am EMBL nicht.
Melina Schuh |
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Wir versuchen am EMBL, die Geheimnisse des Lebens ein bisschen besser zu verstehen. Wir erforschen beispielsweise, wie sich Lebewesen aus einem Haufen von Zellen entwickeln, wie eine einzelne Zelle funktioniert und aufgebaut ist, wie sich Zellen teilen und wie dabei Krankheiten wie Krebs enstehen können. Ich selbst untersuche, wie genau eine befruchtungsfähige Eizelle ensteht. Wenn bei der Entstehung von Eizellen etwas schief läuft, führt das zu Unfruchtbarkeit und zu Krankheiten wie Down-Syndrom. Deshalb ist es besonders wichtig, diesen Prozess genau zu verstehen. Um beobachten zu können, wie eine Eizellen entsteht, markiere ich ihre Bestandteile, wie beispielsweise die Chromosomen, mit leuchtenden Molekülen. Danach kann ich mit speziellen Mikroskopen Filme von den leuchtenden Chromosomen in lebenden Eizellen aufnehmen und ihr Verhalten genau analysieren. Wenn man dann vor dem Mikroskop sitzt, ist es ein bisschen wie im Kino. Aber in diesem Fall ist man nicht nur Zuschauer, sondern Zuschauer, Regisseur und Kameramann zugleich. Nur das Drehbuch hat die Natur geschrieben. Und die Spannung ist riesig - denn auf diese Weise kann man ganz neue Dinge herausfinden. Vor dem Mikroskop wird man Zeuge von Prozessen, die noch kein Mensch vor einem beobachtet hat - und das ist für mich das Schönste an meinem Beruf. Wenn man etwas ganz Neues entdeckt, dann vergisst man den oft langen und mühsamen Weg, der hinter einem liegt. Dann ist man einfach nur begeistert.
Ich glaube, Wissenschaft ist etwas für Neugierige, die Langeweile nur schwer ertragen können. Man kann noch echte Entdeckungen machen, muss aber auch mal durchhalten können, wenn es nicht so glatt läuft. Am Ende meiner Schulzeit wusste ich noch gar nicht, was ich machen wollte - vielleicht Architektur studieren - oder doch eher etwas Naturwissenschaftliches? Ich habe dann Biochemie studiert. Da ich sowohl während des Studiums als auch jetzt so viele neue Dinge über die Welt und das Leben in ihr gelernt habe, habe ich diese Entscheidung auch nie bereut.
Schule:
Humboldt-Gymnasium Bad Pyrmont





