Johanna Scheuermann (Deutschland)

Johanna Scheuermann
Hallo, mein Name ist Johanna.

Ich schreibe meine Doktorarbeit am EMBL

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Biologie im weitesten Sinne hat mich schon seit meiner frühen Kindheit interessiert. In meiner Familie hatte die Natur - Tiere, Pflanzen, die Umwelt - immer einen hohen Stellenwert, und so wurde ich automatisch aufmerksam auf die vielen kleinen "Wunder", die man in Lebewesen antrifft; sei es einfach draußen beim Spielen, sei es beim - nicht ganz geplanten - Aufziehen von kleinen Papageien in unserem Wohnzimmer, oder beim Anschauen von Pantoffeltierchen und allen möglichen Arten von Algen unter dem alten Mikroskop meiner Eltern, die ich in unserer Regentonne "gefangen" hatte .

Obwohl ich noch viele andere Interessen hatte, habe ich immer diese Begeisterung für Naturwissenschaften behalten. Daher habe ich mich entschieden, ein wenig - sehr einfache - biologische Forschung zu betreiben, als wir in unserem Abiturjahr die obligatorische Facharbeit zu machen hatten. Ich habe in einem Labor gearbeitet, in dem Osteoporoseforschung betrieben wurde, und lernte, wie man Knochen- und Gewebezellen unter dem Mikroskop charakterisiert. Mit dieser Arbeit habe ich am "Jugend forscht"-Wettbewerb teilgenommen und sehr unerwartet zwei Preise gewonnen. Obwohl meine Ergebnisse natürlich weit von hochentwickelter Forschung entfernt waren, hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben gesehen, wie Biologie in einem Labor ungefähr funktioniert, ich hatte die Schönheit und Komplexität menschlicher Zellen gesehen - und ich hatte Feuer gefangen!

Trotzdem fiel es mir nicht leicht, mich für ein Studienfach zu entscheiden. Ich wusste, dass ich biomedizinisch forschen wollte, aber ich wollte auch gerne mit Menschen arbeiten, und ihnen idealerweise sogar unmittelbar helfen. Also habe ich mich für Medizin entschieden, in der Hoffnung, dass ich so beide Interessen kombinieren könnte. Ich habe das vorklinische Studium an der Technischen Universität München absolviert, wo ich hauptsächlich Physiologie, Biochemie und Anatomie gelernt habe. Mich hat alles, was ich in dieser Zeit gelernt habe, sehr begeistert, besonders die molekularen und zellulären Mechanismen in einem Organismus haben mich fasziniert. Für den klinischen Teil des Studiums bin ich an die Ludwig-Maximilians-Universität in München gegangen. Parallel zu den üblichen Studieninhalten habe ich an einem Promotionsprogramm in Molekularer Medizin teilgenommen, um weitere Erfahrung in biomedizinischen Wissenschaften zu sammeln. In diesem Rahmen habe ich die Forschung zu meiner medizinischen Dissertation durchgeführt, es ging um die molekularen Grundlagen der Alzheimerschen Erkrankung. Die Zeit im Labor hat mir wieder einmal eine ganz neue Welt eröffnet und mir gezeigt, welche Fragestellungen es überhaupt in bestimmten molekularmedizinischen Gebieten gibt, und auch welche Herangehensweisen es gibt, um diese Fragen zu beantworten.

Obwohl mein Wunsch, grundlagenwissenschaftlich zu arbeiten, immer stärker wurde, ist mein Interesse an klinischer Arbeit geblieben. Ich habe meine praktische klinische Ausbildung in München, in Paris an der Université Pierre et Marie Curie und in Boston an der Harvard Medical School absolviert - und ich habe die Zeit, in der ich nun mit "richtigen" Patienten gearbeitet und zum ersten Mal wirklich Medizin praktiziert habe, sehr genossen. Ich musste jedoch einsehen, dass es alles andere als einfach sein würde, gleichzeitig klinisch tätige Ärztin und grundlagennahe Wissenschaftlerin zu werden, da beides extrem zeitaufwändig und herausfordernd ist. Also habe ich mich nach meinem Staatsexamen entschieden, nicht im Krankenhaus zu arbeiten, sondern meine wissenschaftlichen Kenntnisse zu erweitern. Ich bin ans EMBL (Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie) gegangen, um meine naturwissenschaftliche Dissertation zu beginnen. Das EMBL ist ein Ort, wo Wissenschaftler aller Nationalitäten zusammen arbeiten, mit einer sehr offenen, kooperativen, dynamischen und freundlichen Atmosphäre. Abgesehen von meiner Arbeit im Labor habe ich Gelegenheit, noch eine Reihe weiterer ergänzender Fähigkeiten zu erwerben. Zum Beispiel organisiere ich zusammen mit anderen Doktoranden gerade eine wissenschaftliche Konferenz und einen Wettbewerb in Wissenschaftskommunikation und ich koordiniere den Musik-Club am EMBL, in dessen Rahmen wir regelmäßig zusammen proben und Konzerte geben.

Ich mag meine Arbeit sehr, weil sie sehr frei, eigenverantwortlich, und geistig fordernd ist. Es ist bereichernd, alle möglichen verschiedenen Leute in der Wissenschaft kennen zu lernen, die meist in vieler Hinsicht einen unterschiedlichen Hintergrund haben, aber dieselbe Leidenschaft und Neugier miteinander teilen. Als Wissenschaftler passiert es einem schnell, dass das gegenwärtige Projekt gewissermaßen ein Teil von einem selber wird - das kann natürlich anstrengend sein, aber auch sehr erfüllend.

School:
Gymnasium Tutzing

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Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim, Germany
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