Antje Keppler (Deutschland)
| Das bin ich, Antje Keppler - ich entspanne mich gerade nach einem Tag im Freien auf meiner Lieblingsinsel. | |
Vermutlich war es dieses alte Buch von 1935 über Robert Koch und Louis Pasteur, das mein frühes Interesse an den Naturwissenschaften und der Forschung geweckt hat. Schon bereits während der Schulzeit konnte ich mich viel mehr für Elektronen, Photosynthese und Farbreaktionen begeistern als für englische Grammatik oder Ökonomie.
Deshalb habe ich direkt nach der Schulzeit angefangen, Biochemie an der Ruhr-Universität Bochum zu studieren. Damit fing eine faszinierende und aufregende Zeit für mich an, die aber auch nicht immer einfach war. Vor allem das eigenständige Lernen und die Organisation des Stundenplans gefüllt mit Vorlesungen, Seminaren und Praktika in den verschiedenen Fächern wie Biologie, Chemie und Physik stellte uns vor völlig neue Herausforderungen. Aber von Anfang an lernte und arbeitete ich zusammen mit drei Freunden in einer Gruppe, was uns allen sehr wichtig war und viel Spaß gemacht hat.
Im siebten Semester bin ich dann für sechs Monate im Rahmen eines Austauschprogramms nach England an die Sussex University gegangen. Es war für mich das erste Mal, dass ich eigenständig ein Forschungsprojekt über einen längeren Zeitraum alleine bearbeitet habe, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, Grundlagenforschung endlich aus nächster Nähe kennenzulernen.
Aufgrund dieses Auslandssemesters und meiner dortigen Erfahrungen im Labor habe ich dann begeistert meinem späteren Doktorvater zugesagt, in seiner neuen Gruppe in Lausanne meine Dissertation zu machen. Doch zuerst bin ich im Rahmen des Schweizer Doktoranden-Programms für drei Monate nach Paris gegangen, um dort einen Abschluss in Bioorganischer Chemie zu machen.
Nach vier Jahren in Lausanne bin ich anschließend nach Heidelberg ans EMBL (Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie) gegangen. Das EMBL ist ein sehr bekanntes und internationales Forschungsinstitut für moderne Biowissenschaften. An dieses Institut kommen junge Wissenschaftler aus aller Welt, um ihre Projekte zu bearbeiten, sich zu treffen, eng mit anderen Labors zusammenzuarbeiten, neue Techniken und neueste Geräte kennenzulernen. Berühmte Forscher kommen auch oft hierher, um ihre neuesten Ergebnisse vorzustellen. In meiner Forschungsarbeit beschäftigte ich mich vor allem mit der Entwicklung von neuen Techniken für die fluoreszente Markierung von Proteinen. Mit Hilfe dieser Methoden können andere Wissenschaftler unter dem Mikroskop ihr Zielprotein in der Zelle beobachten und seine Eigenschaften untersuchen.
Nachdem ich über zehn Jahre praktisch in der Grundlagenforschung gearbeitet habe, bin ich jetzt als Projektkoordinatorin für das Hygiene-Institut der Universität Heidelberg tätig. Diese Arbeit bringt völlig neue Herausforderungen mit sich: Zu meinen Aufgaben gehört das Management von Netzwerken, zu denen sich heutzutage viele verschiedene Forschungsgruppen zusammenschließen, die Organisation von Konferenzen und Tagungen, die Einstellung von Mitarbeitern, die Verwaltung von Forschungsgeldern, die Kommunikation mit anderen Forschungsinstituten und noch vieles mehr. Ich arbeite auch eng mit den verschiedenen Wissenschaftlern zusammen, so dass ich immer noch Kontakt zur Forschung habe. Für meine derzeitige Arbeit sind deshalb wieder vor allem meine Fähigkeiten und Erfahrungen wichtig, die ich während meiner Arbeit im Ausland an den verschiedenen Instituten gewonnen habe.
Als ich anfing, Biochemie zu studieren, hätte ich mir nie vorstellen können, wie wichtig meine Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch einmal werden würden, und wie viel ich aufgrund meiner naturwissenschaftlichen Laufbahn von Europa sehen sollte. Als Wissenschaftler muss man heutzutage kosmopolitisch denken und leben, aber genau deshalb liebe ich meinen Beruf!
Schule:
Gymnasium Neustadt Neustadt i. H.




